Die Situation geflüchteter Frauen in Nordrhein-Westfalen steht im Mittelpunkt einer neuen Literaturstudie der G.I.B. – Gestaltung, Innovation und Beratung in der Arbeits- und Sozialpolitik GmbH. Obwohl die Untersuchung speziell für NRW erstellt wurde, sind die Erkenntnisse bundesweit relevant, auch für Sachsen-Anhalt. Denn die strukturellen Herausforderungen, die Prof. Dr. Matthias Knuth beschreibt, ähneln in vielen Punkten der Lage geflüchteter Frauen in Ostdeutschland.
Die Studie verdeutlicht ein starkes geschlechtsspezifisches Gefälle: Acht Jahre nach der Ankunft in Deutschland liegt die Erwerbstätigenquote geflüchteter Männer bei 86 %, während sie bei geflüchteten Frauen bei nur 33 % liegt. Dies zeigt, dass bestehende Qualifikationen vieler Frauen nicht in Arbeitsmarktchancen umgesetzt werden. Häufig liegt das an familiären Rahmenbedingungen, traditioneller Arbeitsteilung oder späterer Teilnahme an Sprachkursen.
Zudem wird deutlich, dass in der Praxis viele Jobcenter Mütter kleiner Kinder von Aktivierungsangeboten ausnehmen. Dadurch entstehen lange Phasen, in denen berufliche Orientierung, Spracherwerb oder Anerkennungsverfahren kaum stattfinden und Integration unnötig verzögert wird. Die Studie bezeichnet diese Zeit treffend als „verlorene Integrationszeit“.
Für Programme wie REGIO AKTIV ergeben sich daraus wichtige Impulse. Eine arbeitsmarktpolitische Unterstützung muss früh, kontinuierlich und flexibel ansetzen und darf insbesondere bei Betreuungspflichten nicht aussetzen. So können Integrationsverläufe wirksamer gestaltet werden.
Die vollständige Analyse finden Sie in der Publikation:
„Arbeitsmarktpolitische Integration von geflüchteten Frauen – eine Literaturstudie“
(G.I.B.-Beiträge zur Arbeits- und Sozialpolitik 2025/16).

